HILITECH: „Ist das Produkt gut, zahlen Kunden gern.“

Die HILITECH GmbH baut in Kindberg das Interieur für Jets. Der Anspruch ist hoch. Die Firma reduziert das Gewicht der Leichtbauteile um bis zu 30 Prozent im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise. Anschließend wird veredelt: In den Jets sind Mahagoniböden, Marmorbäder und ganze Konferenzräume verbaut.
Investitionen Luftfahrt Produktdesign
Hilitech GmbH
Gründung: 2014
MitarbeiterInnen in Kindberg: 25
MitarbeiterInnen im Konzern: 700
Projektkosten: 5,3 Millionen Euro
Förderung durch Groß!Tat: 10 %

Der Produktionsstandort in Kindberg ist taufrisch. Mit Unterstützung der SFG entstanden 2019 2.000 m2 modernste Fertigungsfläche. Von hier aus liefert das Unternehmen fertige Kabinen an Business-Aviation- Unternehmen in der ganzen Welt. Die Teile sind in Leichtbauweise hergestellt, mit hochwertigen Oberflächen veredelt und fertig verkabelt. Der Flugzeughersteller gibt das Design vor, HILITECH setzt es um. Die Steirer schaffen als einziges Unternehmen in der Flugzeugindustrie, den Werkstoff Karbon an die vorgeschriebene Feuerfestigkeit anzupassen. Dadurch sparen sie bis zu 30 Prozent Gewicht, das für eine großzügigere Einrichtung der Luxusjets oder für einen größeren Tank frei wird.

„Die Entflammbarkeit der Teile ist das eine, und sie müssen Klimawechsel von minus 40 auf plus 80 Grad Celsius in zwölf Stunden tolerieren.“
CEO Manfred Nagl

Mit seinen vielen Glasflächen gibt der Kindberger Produktionsstandort schon im Eingangsbereich Einblick in die Werkstatt. Die Räume sind makellos rein bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die MitarbeiterInnen tragen Anzüge. Sind doch die technischen Anforderungen enorm hoch: „Die Entflammbarkeit der Teile ist das eine, und sie müssen Klimawechsel von minus 40 auf plus 80 Grad Celsius in zwölf Stunden tolerieren,“ erklärt Geschäftsführer Manfred Nagl.

Hilitech GmbH
Hilitech GmbH

Synthese von Yachting und Rennsport

HILITECH greift auf die über hundertjährige Erfahrung der F. LIST GMBH und der Hintsteiner Group GmbH zurück. Erstere ist eine Tischlerei, die seit Jahrzehnten Oberflächen veredelt. Das erfahrene Unternehmen schaffte vor gut zehn Jahren den Sprung von Yachten auf Jets. Ergänzend fungiert die Kompetenz der Hintsteiner Group für Leichtbau und Prototypen im Rennsport. Derart brachte man Technologien aus dem Rennsport in die Luft. Beispielsweise kommt die Monocoque-Technologie, die den Formel-1-Fahrer in seinem Cockpit schützt, im Kabinenbau zum Einsatz.

In Konkurrenz mit dem eigenen Kunden

Manfred Nagl weiß, dass sein Geschäftsmodell auf den ersten Blick irritiert, „weil unsere Kunden ja gleichzeitig unsere Mitbewerber sind.“ Jeder größere Flugzeughersteller stellt selbst Kabinen her. Hier macht die bessere Qualifizierung den Qualitätsunterschied. Denn die Leichtbautechnik ist relativ jung und bisher gibt es keine maßgeschneiderte Fachausbildung dafür. Also baut HILITECH die MitarbeiterInnen langfristig auf. Täglich bis zur Mittagspause schauen ihnen MentorInnen über die Schulter – so lange, bis sie selbst ExpertInnen sind. Dabei braucht es Menschen mit besonderem Feingefühl. Das bringen unter anderem KosmetikerInnen und FriseurInnen mit, hat Nagl die Erfahrung gemacht. Er bildet sie in monatelangen Prozessen zu Fachkräften aus.

Investitionsförderung für Großunternehmen: für die Hoch-hinaus-Wollenden