Probando im Interview: „Wir probieren das aus!“

Das Grazer Start-up „Probando“ bringt Forscher und Testpersonen in einer sicheren, transparenten und unkomplizierten Form zusammen. Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführern Matthias Ruhri und Manuel Leal-Garcia über das Starten, Milestones, 9-to-5, Booster und Weltrettung.
Digitalisierung GründerInnen und Start-ups Venture Capital
Gründung: Mai 2020
Firmensitz: Graz
Website: www.probando.io

Das Unternehmen leitet der Anspruch durch klinische Forschungsergebnisse die Welt für Jeden nachhaltig lebenswerter zu machen: Die Bedeutung von klinischen Studien muss in der aktuellen, weltweiten Pandemie-Situation wohl Niemandem mehr klargemacht werden.

Soeben wurde ein Vertragswerk mit der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG unterschrieben, was erhofft ihr euch durch diese Kooperation?

Matthias Ruhri: Die SFG bietet mit der Risikokapital!Offensive ein Instrument an, welches uns Gründern ermöglicht, die jetzt abgetretenen Anteile, zu vorab festgelegten Konditionen, zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück zu kaufen. Das ist für uns sehr attraktiv. Zudem verfügt die SFG über ein breites internationales Netzwerk an Investoren und Venture Capital für Folgefinanzierungrunden. Mit diesem Setup ist ein Grundstein für eine erfolgreiche Expansion gelegt.

Euer Startup steckt ja gar nicht mehr in den Kinderschuhen, wie würdet ihr aber euer Unternehmen Jemandem vorstellen der noch in Kinderschuhen steckt?

Matthias Ruhri: Wir haben einen digitalen Marktplatz für Studien gebaut: Forscher stellen ihr Studienangebot bei uns online und Studieninteressierte finden einfach und transparent für sie passende Studien. Derzeit erreichen 9 von 10 Studien ihre Rekrutierungsziele nicht. Forscher stehen vor der Herausforderung, dass ihre Studien meist länger dauern als erwartet (80 % sind signifikant verzögert) und manchmal sogar abgebrochen werden müssen – sehr oft aus Mangel an Studienteilnehmern. Und der potenzielle Studieninteressierte hat keinen Überblick über das Studienangebot, zudem herrscht Unklarheit, wie viel Zeit eine Studie in Anspruch nimmt, ob und wie viel an Aufwandsentschädigung zur Verfügung stehen und welche Voraussetzungen zur Teilnahme erfüllt werden müssen. Hier kommen wir ins Spiel und helfen beiden Seiten.

Wie kam es zu der Idee einerseits und dann schließlich zur Gründung andererseits?

Manuel Leal-Garcia: Die Idee zu Probando wurde auf einem internationalen Mediziner-Kongress in den USA geboren. In zahlreichen Gesprächen mit Forschern aus aller Welt stellte sich schnell heraus, dass das Zusammenstellen passender Teilnehmer für Studien, seien es erkrankte Patienten oder gesunde Bewerber, eine globale Herausforderung darstellt. Zurück von meiner Reise konnte ich meine Co-Founderin Julia Harrer von der Idee zu gründen überzeugen. Unser guter Freund Gernot Winkler wurde unser Softwareentwickler und ebenfalls Co-Founder, zu guter Letzt konnten wir auch Matthias überzeugen, als Geschäftsführer & Co-Founder bei uns einzusteigen und mit uns gemeinsam Probando zu gründen.

"Wir machen Forschung zu einem gemeinsamen Unterfangen und so die Welt für Jeden nachhaltig lebenswerter – das ist unsere Vision."
Matthias Ruhri
Matthias Ruhri, Julia Harrer und Manuel Leal-Garcia

Der Name bringt es eigentlich ziemlich direkt auf den Punkt, wie findet man den oder einen geeigneten Namen?

Manuel Leal-Garcia: (lacht) Der Name ist eines der wichtigsten Dinge. Er soll Vertrauen schaffen, wiedererkennbar sein und die Leute sollten sich den Namen einfach merken können. So – wie findet man nun diesen guten Namen? (lacht) Tja, das ist eine gute Frage. Ich spreche ja fünf Sprachen fließend und kann daher schnell Synonyme bauen und auch Vergleiche ziehen, ob ein Name in einer anderen Sprache funktioniert usw. Der Name „Probando“ kommt aus dem Spanischen. Proband zu Deutsch ist jedem klar und Probando auf Spanisch bedeutet „etwas zu probieren“, „zu testen“. Somit stand für mich schnell fest, Probando muss es sein.

Was waren für euch die prägendsten Milestones auf dem Weg bis hierher und heute?

Manuel Leal-Garcia: Mittlerweile gab es da schon einige Etappen auf unserem Weg. Unser erster Milestone war der Sieg bei der Gründungsgarage und beim Startup Playground in Graz. Das waren die ersten wichtigen Abschnitte. Ab da wussten wir, weitermachen lautet die Devise! Dann folgte die Gründung in einer globalen Wirtschaftskrise, die ersten MitarbeiterInnen einstellen und für mich persönlich war einer der schönsten Momente der erste Dank unserer Kunden für die tolle Zusammenarbeit und dass wir mittlerweile auch mit großen Pharmaunternehmen zusammenarbeiten.

Matthias Ruhri: Der Sprung von der anderen Seite, der Seite der Investoren & Company Builder, wieder in die Rolle des Gründers, war für mich ein großer Milestone. Ich kenne das Team und die Idee rund um Probando seit Anfang 2019 und konnte mir mit einem gewissen Abstand die Entwicklung anschauen. Potenzial hinter der Idee war immer da. Schlussendlich habe ich gemerkt, dass jemand mit meinen Fähigkeiten das Team „rund“ machen würde. Und wenn du überzeugt bist, springst du und machst das mit voller Energie. Wir haben 2020 trotz widriger Umstände sehr viel erreicht und kurz vor Weihnachten können wir nun den nächsten wichtigen Meilenstein mit dem Investment nehmen.

Was sind die wichtigsten Zutaten um ein Startup zu starten?

Manuel Leal-Garcia: (lacht) Die wichtigsten Zutaten sind Mut, Ehrgeiz und den Wunsch die Welt zu verändern! Uns geht es darum Menschen zu helfen – Patienten, gesunden Probanden und Forschern. Wir möchten alle miteinander verknüpfen.

Matthias Ruhri: Als Gründer will ich ins TUN kommen. Ich habe in den letzten 15 Jahren viele junge Leute kennengelernt, die mit Ideen „schwanger“ gegangen sind. It’s all about execution – die Idee alleine ist wertlos, solange ich nicht durch konsequente Umsetzung ein Produkt erschaffe.

Welche Fehler sollte man unbedingt machen, welche Fehler sollte man – falls möglich – vermeiden?

Matthias Ruhri: Ich finde die Frage interessant. Fehler sind ja in erster Linie eine starke Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. So betrachtet sollte jede/r GründerIn komplett blauäugig und ein Stück weit naiv in eine Unternehmensgründung gehen. Ich behaupte, sonst kommt es vielleicht oftmals gar nicht zur Gründung. Die Lernkurve ist extrem steil und viele erfahrene Unternehmer werden bestätigen, dass die Annahme VOR einer Gründung, wie sich das Leben als UnternehmerIn anfühlt und die darauffolgende Realität oft sehr stark abweichen. Um das Risiko des Scheiterns zu minimieren empfehle ich vorausschauende und konservative Planung. Es ist erwiesen, dass einer der Hauptgründe des Scheiterns in der falschen Planung liegen. Mein Tipp deshalb: diesen „Fehler“ unbedingt vermeiden!

War das Jahr 2020 für euch eher ein Dämpfer oder eher ein Booster? Welche Lehren zieht ihr bisher daraus?

Matthias Ruhri: COVID-19 wird uns mittelfristig beflügeln. Angesichts der Entwicklungen der letzten Monate müssen wir niemandem mehr erklären, wie wichtig klinische Forschung für uns als Gesellschaft ist. Faktum ist jedoch, dass aufgrund der aktuellen Beschränkungen auch große Teile der klinischen Forschung nur eingeschränkt oder momentan gar nicht stattfindet. Diese Herausforderung ist speziell im Gründungsjahr schwerwiegend. Umso erfreulicher ist es, dass wir einige namhafte Unternehmen und Forschungszentren als Partner gewinnen konnten und auch täglich neue Studieninteressierte auf unsere Plattform bringen.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren? Und in 10 Jahren?

Matthias Ruhri: Wir sind mit dem Ziel angetreten, eine wirtschaftlich erfolgreiche Firma zu bauen die einen positiven Impact auf die Gesellschaft hat. Wir machen Forschung zu einem gemeinsamen Unterfangen und so die Welt für jeden nachhaltig lebenswerter – das ist unsere Vision. Dazu braucht es vor allem ein starkes Team und die richtigen Partner an Bord. Unsere Investorenrunde ist divers und so aufgestellt, dass wir das Unternehmen schnell entwickeln können. In 5 Jahren werden wir in Europa die Nummer 1 sein.

Ihr seid mittlerweile ein sehr großes Team, wie sorgt man für ein motivierendes, erfolgversprechendes Klima?

Matthias Ruhri: Tatsächlich wächst unser Team und wir werden uns im kommenden Jahr fast verdoppeln. Zum gesunden Wachstum gehören viele Komponenten – ehrliche Kommunikation ist für mich das A und O. Offenheit und persönliches Engagement sind mir persönlich sehr wichtig. Wir suchen unsere Teammitglieder danach aus und leben diese Werte. Ich muss einfach spüren ob jemand für unsere Sache brennt. Wer 9-to-5 sucht, ist in einem Startup wohl nicht richtig aufgehoben. Trotzdem fördern wir eine aktive Work-Life-Balance und verlangen nichts, was wir selbst nicht auch zu geben bereit sind.

Venture Capital für digitale Start-ups: Wir spielen Ihnen den Ball zu!