arterioscope: Grazer KI-Modell fördert Herzgesundheit

Kann man Herzkrankheiten frühzeitig aus EKG-Daten erkennen? Das Grazer TU-Graz-Spin-off arterioscope entwickelt KI-Software für bessere Herzgesundheit und günstigere Entwicklung neuer Herzmedikamente – ausgezeichnet mit dem Innovationspreis Steiermark.
Digitalisierung F&E GründerInnen und Startups Health-Tech
arterioscope-Gründer (v.l.): Hermann Moser (CEO), Vahid Badeli (CTO) und Sascha Ranft (CSO)
Gründung:  2025
Unternehmenssitz:  Graz
Beschäftigte:  6
SFG-Förderung:  Start!Klar

Eine „Uralttechnologie“, die dank KI revolutionäre Möglichkeiten eröffnet? EKG-Daten sind seit Jahrzehnten Standard im medizinischen Alltag von Kliniken und Arztpraxen. Doch bergen die Wellen und Zacken eines Elektrokardiogramms mehr Informationsgehalt als bislang angenommen. Dem Grazer Startup arterioscope gelang es, die Aussagekraft herkömmlicher EKG-Daten auf ein neues Level zu heben. Das Team entwickelt KI-Modelle, die aus einem Standard-12-Kanal-EKG kardiovaskuläre Biomarker ableiten und damit frühzeitig Anzeichen von Herzinsuffizienz sowie weiterer Herzkrankheiten erkennen können. „Selbst erfahrene Medizinerinnen und Mediziner konnten diese Signale mit herkömmlichen Methoden nicht mit freiem Auge aus den EKG-Daten herauslesen. Dafür braucht es Bluttests oder andere kostspielige Diagnosemethoden wie ein CT oder MRT“, erklärt Hermann Moser, CEO von arterioscope, den Mehrwert der neuen Technologie, die von Vahid Badeli (CTO) und Sascha Ranft (CSO) entwickelt wurde. Mit Martin Manninger-Wünscher (CMO) ist auch ein Kardiologe der Medizinischen Universität Graz mit an Bord.

„Das zugrunde liegende Machine Learning Modell wurde an der TU Graz in enger Kooperation mit der Med Uni Graz sowie internationalen Partnern aus Forschung, Medizintechnik und Pharmaindustrie entwickelt“, so Moser. Um signifikante Ergebnisse zu erzielen, war es notwendig, die KI-Software mit einer großen Anzahl klinischer Datensätzen zu trainieren. „Mit unserem KI-Modell erreichen wir eine neue Leistungsstufe in der Auswertung kardiovaskulärer Biosignale“, so Moser, der das hohe medizinische, aber auch ökonomische Potenzial der Innovation betont. „Es gibt eine Vielzahl an Anwendungsfällen.“ Derzeit gilt der Fokus dem Bereich klinische Forschung in der Entwicklung neuer Herzmedikamente. „Diese Forschungen gehen naturgemäß mit der laufenden Beobachtung kardiovaskulärer Parameter bei den Probanden einher. In der Praxis ein aufwändiges und teures Procedere“, erklärt Moser. „Unsere Methode erlaubt ein wesentliches einfacheres und schnelleres Monitoring – das heißt, man kann schon nach drei bis fünf Wochen erkennen, ob ein Medikament wirkt anstelle von 24 bis 36 Wochen. Die Studiendauer verkürzt sich um Monate, wodurch die Entwicklung neuer Präparate viel günstiger und effizienter wird“, so Moser. „Wir führen derzeit intensive Gespräche mit Pharmafirmen in den USA und sind dabei, erste Piloten für eine Anwendung im klinischen Einsatz zu entwickeln.“ Zweites großes Einsatzgebiet: die Integration der Technologie in Wearables, allen vor in Smart Watches. „Die Überwachung von Gesundheitsdaten ist ein riesiger Zukunftsmarkt. Unsere Software kann hier durch die Auswertung von EKG- sowie PPG-Daten (Anm: Photoplethysmographie) in Echtzeit wertvolle Informationen über die Herzgesundheit des Nutzers liefern.“ Auch hier gab es bereits Gespräche großen Device-Herstellern.

"arterioscope revolutioniert die kardiovaskuläre Diagnostik. Krankheiten können künftig frühzeitig erkannt werden und damit das Leben von Menschen verlängern – das ist der große gesellschaftliche Mehrwert, den unsere Entwicklung leisten kann."
CEO Hermann Moser

Damit schließt sich der Kreis zur großen Vision des Gründerteams: der Möglichkeit, mittels einer non-invasiven Technologie Menschen flächendeckend in der Prävention von Herzkrankheiten zu unterstützen. „Ob bei einem Hausarzt mit EKG-Gerät oder zuhause mit einer Smart Watch – arterioscope revolutioniert die kardiovaskuläre Diagnostik. Krankheiten können künftig frühzeitig erkannt werden und damit das Leben von Menschen verlängern – das ist der große gesellschaftliche Mehrwert, den unsere Entwicklung leisten kann“, so Moser.

Derzeit ist das Unternehmen, das in diesem Jahr mit dem „Innovationspreis Steiermark“ in der Kategorie Kleinst- und Kleinunternehmen ausgezeichnet wurde, auf Investorensuche. „Die Mittel aus einer Finanzierungsrunde sollen unser Go-to-Market beschleunigen“, erklärt Moser: „Für Kapitalgeber im Bereich Health-Tech braucht es den Blick über Österreichs Grenzen hinaus – Private Equity ist hierzulande rar gesät“, so Moser: „Dennoch: Der Startup-Standort Steiermark hat viele Qualitäten – auch dank toller Fördergeber wie der SFG, die uns bereits mehrfach unterstützt hat, sowie erstklassiger Netzwerke wie dem Life-Science-Cluster HTS.“