Holz als steirische Superkraft
Der Bauteil, in dem mehrere Jahre Forschung und Entwicklung stecken, reduziert Verwirbelungen, spart Energie – und damit dem Bahnbetreiber auf Sicht viel Geld. Das Besondere aber – die Verkleidung ist nicht aus Metall, sondern aus Holz gefertigt. Holz, so erklärt der studierte Maschinenbauer Wojik weiter, habe viele Vorteile gegenüber anderen Werkstoffen. „Es ist langlebig, leichter als Aluminium, es hat eine hohe Dämpfungsfähigkeit, ist preislich günstiger und ein CO₂-Speicher.“
Geht es nach der Steiermark, wird Holz im Leichtbau künftig eine tragende Rolle spielen. Der Siemens-Ingenieur kam mit einer 20-köpfigen steirischen Delegation, angeführt von den Landesräten Simone Schmiedtbauer (Forstwirtschaft) und Willibald Ehrenhöfer (Wirtschaft), nach Brüssel, vorrangig, um Bewusstsein zu schaffen. Denn selbst im Holzland Steiermark mit seinen 5300 Betrieben, 55.000 Beschäftigten und einer jährlichen Wertschöpfung von zwölf Milliarden Euro in dieser Branche stand Holz bis jetzt kaum mit Hightech-Anwendungen im Fahrzeugbau in Verbindung.
Holz kann mehr
Generationen vor uns war Holz in Flugzeugen, Zügen und Autos verbaut gewesen, ehe es von anderen Stoffen überholt und verdrängt wurde. Doch jetzt kommt es zur Renaissance, und das ist dem steirischen Wood Vision Lab zu verdanken. Dieses Innovationslabor, getragen von Mitteln der EU, des Bundes, der SFG, Joanneum Research, TU Graz und der Stadt Weiz, startete vor zehn Jahren mit der Neuerfindung von Holz. Ziel war es, zu beweisen, dass man mit Holz mehr kann, als Häuser, Böden und Möbel zu bauen oder Wärme zu erzeugen.
Anfangs galt es, selbst in der Steiermark (62 Prozent Waldfläche), gegen Vorurteile anzukämpfen. „Wir wurden belächelt“, sagt Martin Karner von den Weitzer Woodsolutions, die die Holzverkleidung für Siemens Mobility derzeit in der Kleinserie bauen. Dass Holz brennt, verwittert und splittert, stand dem Einsatz im Fahrzeugleichtbau vermeintlich im Weg, bestätigt Christa Zengerer, Chefin des steirischen Mobilitätsclusters AC Styria. „Nicht alle waren überzeugt, wir waren trotzdem von Beginn an dabei.“ Große Automobilhersteller stünden jetzt kurz davor, Holz in tragenden Strukturen und „crash-relevanten Bauteilen“ zu integrieren. Karner: „Die Frage ist nicht, ob, sondern wann das geschieht.“
Berechenbarkeit sorgt für Holz-Comeback
Der Knackpunkt für das Holz-Comeback war, so erklären Karner, Zengerer und Wojik unisono, dass es dem Wood Vision Lab gelungen ist, den Werkstoff „zu berechnen“. „Unsere Holzhybride halten stärksten Belastungen, jeder Klimazone und den höchsten Brandschutzanforderungen stand“, verweist Karner auf eine Reihe von Zertifikaten.
Die Weitzer Woodsolutions, ein Unternehmen der Weitzer Gruppe, investierten in den vergangenen Jahren Millionen in Forschung und Fertigung. Das Auftragsvolumen heuer betrage rund 1,5 Millionen Euro (dazu zählt auch der Siemens-Auftrag), 2027 will man bereits bei sechs Millionen Euro sein. Karner will die Chance der industriellen Skalierung nützen und eine Holz-Wertschöpfungskette aufbauen. Das Potenzial (in Europa) sei viele Milliarden Euro schwer. „Holz ist der einzige Rohstoff, bei dem die Wertschöpfung zur Gänze in Europa bleibt“, sagte Karner vergangenen Dienstag bei einer Diskussion mit Vertretern des EU-Parlaments und der EU-Kommission.
In Österreich nahm die Waldfläche in den letzten 30 Jahren zu. Allerdings verändert sich der Wald vor dem Hintergrund des Klimawandels und Laubhölzer nehmen zu. Die Leichtbaukomponenten für Siemens Mobility werden aus Birke und Buche gefertigt.
Hannes Gaisch-Faustmann für die Kleine Zeitung