Europäischer Wettbewerbsfonds (ECF): Neue Chancen für die steirische Wirtschaft
Der Vorschlag befindet sich aktuell in den Verhandlungen zwischen Mitgliedstaaten und Europäischem Parlament – die endgültige Ausgestaltung wird daher voraussichtlich Mitte 2027 festgelegt. Der ECF soll Investitionen entlang der gesamten Innovationskette – von Forschung über Pilotierung bis zur industriellen Skalierung – bündeln und in vier strategische Zukunftsbereiche lenken.
Vier strategische Schwerpunkte: Europas Zukunftsfelder im Fokus
- Clean Transition & Industrial Decarbonisation
Der Wandel hin zu einer klimaneutralen Industrie ist eines der Kernziele des ECF. Förderungsfähig sollen u. a. Technologien rund um Wasserstoff, CCUS (Carbon Capture, Utilization and Storage), Net-Zero-Industrieprozesse, grüne Prozesswärme und der Entwicklung der dafür kritischen Komponenten sein. Für die steirische Wirtschaft, insbesondere für Green-Tech-Betriebe, Energie- und Mobilitätsunternehmen, ergeben sich starke Hebel zur Umsetzung und Skalierung klimafreundlicher Produktionsprozesse. - Digital Leadership
Europa will in digitalen Schlüsseltechnologien Rückstand aufholen. Der Fonds priorisiert daher Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Cybersecurity, Halbleiter-Ökosysteme sowie Edge- und Cloud-Infrastrukturen. Steirische KMU und Industriebetriebe können hier von Investitionen in Automatisierung, Datenverarbeitung, digitaler Wertschöpfungsketten und KI-gestützten Produktionsprozessen profitieren. - Health, Biotech, Agriculture & Bioeconomy
Im Zentrum stehen Biomanufacturing, medizinische Dateninfrastrukturen, Advanced-Therapies sowie eine nachhaltige Bioökonomie. Für die steirische Life-Science- und Biotech-Szene eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Pilotierung und Skalierung innovativer Lösungen – von biobasierten Materialien bis zu neuen Therapieansätzen. - Resilience & Security, Defence Industry & Space
Dieser Bereich stärkt Europas Sicherheits- und Verteidigungstechnologien, New-Space-Lösungen, sichere Kommunikationsinfrastrukturen und die Resilienz kritischer Lieferketten. Steirische Unternehmen aus den Bereichen Aerospace, Materials, Sensorik oder sichere Kommunikation finden hier Potenzial für Dual-Use-Technologien und innovative Anwendungen.
Große Chancen für die steirische Industrielandschaft
Die Steiermark ist mit ihren strategischen Leitlinien Mobilität, Green Tech und Life Sciences gut positioniert, um von den neuen europäischen Prioritäten zu profitieren. Basierend auf dem Vorschlag der EU-Kommission bieten sich insbesondere folgende Chancen:
- Aufbau und Skalierung von Pilot- und Demonstrationsanlagen in den Bereichen Energie, Produktion und Digitalisierung
- Konsortialprojekte zwischen Industrie, Universitäten und COMET-Zentren
- stärkere InvestorInnen-Einbindung durch Blended-Finance-Instrumente
- vereinfachte Teilnahme dank Single Gateway und vereinheitlichten Regeln
- neue Wachstumsimpulse durch die europäische Ausrichtung auf Resilienz, Bioökonomie und digitale Souveränität
Unterstützung entlang aller vier Schwerpunkte
Für SFG-KundInnen entsteht ein breiter Handlungsspielraum – von strategischen Großprojekten (z. B. Industrie-Skalierung) bis zu KMU-Maßnahmen (Digitalisierung, Dekarbonisierung, Internationalisierung). Die der ECF in seiner jetzigen Form kann Unternehmen insbesondere bei folgenden Punkten unterstützen:
- Pipeline-Aufbau entlang der vier Zukunftsbereiche
- Partnerschafts- und Matchmaking-Aktivitäten durch Stärkung des Enterprise Europe Networks und der Einbeziehung europäischer Cluster
- Zugang zu neuen und vereinfachten Finazierungsinstrumenten von Grants über Debt bis Equity
Der vorgeschlagene Europäische Wettbewerbsfonds stellt einen der zentralen Bausteine für Europas industrielle Zukunft dar und eröffnet zugleich große Chancen für steirische Unternehmen, die frühzeitig ihre Projekte an den vier strategischen Schwerpunkten ausrichten. Die kommenden Monate sind entscheidend: Erst nach Abschluss der Verhandlungen im Europäischen Rat und im Europaparlament wird klar sein, wie der Fonds im Detail ausgestaltet wird. Bis dahin lohnt es sich jedoch bereits, die Diskussion zu beobachten, potenzielle Projekte vorzustrukturieren und Partnerschaften aufzubauen.