Pfarre Gröbming: Urlaub im Denkmal

Vom halb verfallenem Stadel zum beinahe himmlischen Apartment-Haus in einem halben Jahr. Geht nicht? Die Pfarre Gröbming zeigt, wie das funktioniert, auch mit Hilfe der SFG.
Investitionen
Sanierter Pfarrhof von außen
Gründung:  2025
Unternehmenssitz:  Gröbming
Beschäftigte:  1

Von einem Wunder zu sprechen wäre vielleicht ein bisschen überzogen, beeindruckend ist die Leistung aller Beteiligten an diesem Projekt allemal. Aber der Reihe nach: Unsere Geschichte beginnt mit der Tenne der Pfarre Gröbming, mitten im Ort. In ihren Anfängen im 18. Jahrhundert war sie ein wichtiger Teil des Wirtschaftsgutes der Pfarre, in den letzten Jahrzehnten allerdings mehr oder weniger eine ungenutzte Rumpelkammer, wie Nikola Mitterwallner das Gebäude bezeichnet. Sie ist Handlungsbevollmächtigte in der Verwaltung der Diözese Graz-Seckau und mitverantwortlich für dieses beinahe himmlische Projekt. „Wir haben uns im Zuge der Erstellung eines Gebäudenutzungskonzeptes für die Pfarren im Seelsorgeraum Oberes Ennstal gefragt, wie wir Gebäude sinnvoll nutzen können“, erzählt sie. „Es gibt hier einige leerstehende Gebäude, die teilweise unter Denkmalschutz stehen. Die kann man nicht einfach abreissen.“ Genau das traf auf den „Pfarrertenn“ in Gröbming zu. Also musste eine neue Aufgabe für das altehrwürdige Gebäude her. In der Nähe der großen Skigebiete von Schladming und Haus im Ennstal sowie Stoderzinken liegt die touristische Nutzung fast schon auf der Hand, zumal in der Region immer Gästebetten gebraucht werden, vor allem in der Hauptsaison.

Haus im Haus

Klingt logisch, ist es auch. Allerdings ist es nicht so einfach, ein unter Denkmalschutz bestehendes Gebäude so zu adaptieren und umzubauen, dass der ursprüngliche architektonische Charakter des unten steingemauerten und oben aus Holz gebauten Gebäudes mit seinem historisch wertvollem Walmdach erhalten bleibt. „Deshalb war der Denkmalschutz von Anfang an voll in das Projekt eingebunden“, erzählt Nikola Mitterwallner. „Denkmalamt, Wirtschaftsräte der Pfarre Gröbming und mehrere Planer erstellten mit Unterstützung der Bauabteilung der Diözese gemeinsam ein Konzept, nach dem ein Holzfertigteilhaus in die bestehende Steinfassade eingebaut werden sollte, quasi ein Haus im Haus.“ Praktisch sah das so aus, dass das Dach abgetragen, die vorgefertigten Fertighausteile in das alte Gemäuer eingebaut und dann der Dachstuhl mit einem Lärchenschindeldach unter größtmöglicher Verwendung des wertvollen historischen Bestandes draufgesetzt wurde. Das Altholz findet sich teilweise in den Möbeln der modern gestalteten Apartements wieder. Die Bauarbeiten zu diesem Projekt begannen im Frühjahr 2025 und im Dezember zogen bereits die ersten Gäste ein.

Belebung der Ortskerne

Wie das in dieser Schnelligkeit geht? Nikola Mitterwallner hat die Antwort: „Gescheite Planer, ein innovatives Konzept, regionale Gewerke und vor allem engagierte und motivierte Leute in der Pfarre, die anpacken.“ Bei der Finanzierung des 1,2 Millionen Euro teuren Projektes half die Steirische Wirtschaftsförderung SFG mit der Förderungsaktion Starke!Zentren zur Belebung der Orts- und Stadtkerne. Ziemlich sicher kann angenommen werden, dass auch ein bisschen Hilfe von oben im Spiel war, dass dieses Projekt so rasch umgesetzt werden konnte. Nicht geschadet hat in diesem Zusammenhang sicher, dass die vier sich im Gebäude befindlichen 49 bis 82 Quadratmeter großen Ferienwohnungen nach den Glocken der Pfarrkirche Gröbming benannt wurden: Maria, Josef, Barbara und Benedikt. Wie auch immer, die Weihnachtsfeiertage waren bereits voll ausgebucht, am Internetauftritt und der Vernetzung mit allen wichtigen Buchungsportalen wird gerade gearbeitet und ähnliche Projekte in der Region sind oder werden gerade umgesetzt. Damit hat die Pfarre Gröbming ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein, was sicher auch nicht schaden kann – trotz allem Gottvertrauen.