In modernen Fabriken, Logistikzentren oder Infrastrukturnetzen entsteht ein immer dichteres digitales Abbild der realen Welt. Maschinen, Bauteile, Container oder Werkzeuge senden Daten, werden automatisch erkannt und lassen sich in Echtzeit verfolgen. Eine Schlüsseltechnologie dahinter ist RFID – und eines der Unternehmen, das diese Entwicklung seit Jahren mitprägt, ist TAGnology aus der Steiermark.
Das Technologieunternehmen entwickelt Lösungen, mit denen sich physische Objekte automatisch identifizieren, verfolgen und digital verwalten lassen – ohne manuelles Scannen. Unternehmen erhalten dadurch Echtzeitdaten über Warenbestände, Produktionsprozesse oder Anlagenzustände. Anwendungen reichen von automatisierter Lagerverwaltung über Produktions-Tracking bis hin zu digitalen Produktidentitäten.
Seit der Gründung hat sich TAGnology vom spezialisierten RFID-Anbieter zu einem Technologieunternehmen für IoT-Architekturen und industrielle Datenplattformen entwickelt. Internationale Projekte, neue Plattformmodelle und Kooperationen mit Startups zeigen, dass die automatische Identifikation zunehmend zur Grundlage digitaler Industrieprozesse wird.
Beim internationalen Wirtschaftsforum „Meet Austria“ präsentierte das Unternehmen seine Technologien zuletzt auch einem internationalen Publikum aus Wirtschaft und Politik – ein weiterer Schritt, um österreichische Technologiekompetenz global sichtbar zu machen.
„RFID wird zur Infrastruktur der digitalen Industrie“
Herr Schriebl, was ist der Kunden-Mehrwert von TAGnology in einem Satz?
TAGnology digitalisiert physische Prozesse durch intelligente Auto-ID-, RFID- und IoT-Technologien und schafft so skalierbare, transparente und wirtschaftlich messbare Mehrwerte für Unternehmen und Organisationen.
Wofür steht Ihr Unternehmen heute am stärksten?
TAGnology steht für die industrielle Umsetzung komplexer Identifikations-, Tracking- und IoT-Technologien in praxistaugliche Lösungen. Unsere Stärke liegt darin, verschiedenste Technologien – von RFID und Sensorik über Lokalisierung bis zu Cloud- und Datenplattformen – in eine standardisierte IoT-Architektur zu integrieren und daraus wirtschaftlich skalierbare Anwendungen zu entwickeln.
Wie hat sich Ihr Geschäft in den vergangenen Jahren verändert?
Wir haben uns konsequent von einem technologiegetriebenen Lösungsanbieter zu einer strukturierten IoT- und Plattformarchitekten weiterentwickelt. Neben klassischen Projektlösungen gewinnen standardisierte Plattformmodelle, SaaS-basierte Services sowie hybride Betriebsmodelle zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig konnten wir unsere internationale Präsenz und unsere technologische Tiefe weiter ausbauen.
Welche Branchen treiben derzeit Ihr Geschäft besonders?
Vor allem Industrie und Logistik – etwa bei intelligenten Materialflüssen, Asset Tracking oder automatisierten Wartungsprozessen. Ein weiterer wachsender Bereich ist Infrastruktur und öffentlicher Sektor, beispielsweise für Energie- oder Mobilitätsanwendungen. Auch digitale Produktidentität und Authentifizierung im Consumer-Umfeld gewinnen an Bedeutung.
Welche neuen Anwendungen sehen Sie künftig?
Großes Potenzial sehen wir in der Verbindung von digitaler Produktidentität, sicheren Datenräumen und IoT-basierten Serviceplattformen. Dazu gehören etwa digitale Produktpässe für die Kreislaufwirtschaft, sichere Authentifizierung und Produktschutz sowie datenbasierte Service- und Pay-per-Use-Modelle.
Welche Trends werden den RFID-Markt in den nächsten Jahren prägen?
Vor allem die Integration von RFID, Sensorik und Lokalisierung zu intelligenten Tracking-Systemen. Gleichzeitig ermöglichen Edge- und Cloud-Architekturen die Verarbeitung großer Datenmengen aus physischen Prozessen. RFID wird sich dadurch von einer reinen Identifikationstechnologie zu einer zentralen Infrastruktur für die digitale Industrie entwickeln.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?
KI verändert weniger die RFID-Technologie selbst als den Umgang mit den Daten. In Kombination ermöglichen RFID und KI neue Anwendungen – etwa vorausschauende Wartung, automatisierte Logistiksteuerung oder intelligente Entscheidungsunterstützung in Echtzeit.
Welche Märkte wollen Sie künftig stärker erschließen?
Neben einer weiteren Vertiefung unserer europäischen Marktposition sehen wir großes Potenzial in internationalen Projekten rund um Industrie-Digitalisierung, Infrastruktur und sichere Produktidentität. Dabei setzen wir auf Partnerschaften und skalierbare Plattformlösungen.
Welche Bedeutung hat der Standort Steiermark für TAGnology?
Die Steiermark ist für uns ein zentraler Technologie- und Innovationsstandort. Die Region bietet eine starke industrielle Basis, exzellente technische Ausbildung und ein enges Netzwerk aus Unternehmen, Forschung und Startups.
Was wäre für Sie der größte Erfolg in den nächsten Jahren?
Wenn es uns gelingt, unsere technologische Plattform international zu skalieren und damit maßgeblich dazu beizutragen, dass europäische Unternehmen ihre physischen Prozesse sicher, effizient und nachhaltig digitalisieren können.
Sigrid Gaisch-Faustmann