Keine Berichtspflicht? Warum sich Nachhaltigkeitsberichterstattung trotzdem lohnt
Ein Großkunde fragt nach dem CO₂-Ausstoß, die Bank möchte Informationen zum nachhaltigen Wirtschaften und im eigenen Betrieb steigen die Energie- und Materialkosten. Was haben diese Themen gemeinsam? Sie zeigen, warum Nachhaltigkeitsdaten längst nicht mehr nur für große Konzerne interessant sind. Auch kleinere und mittlere Unternehmen profitieren davon, ihre Zahlen zu kennen und verständlich aufzubereiten.
Mit dem neuen europäischen Voluntary Standard gibt es dafür jetzt einen einheitlichen Rahmen. Die entsprechende EU-Verordnung wurde am 21. September 2026 im Amtsblatt veröffentlicht. Der Standard richtet sich insbesondere an Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten, die nicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind.
Freiwillig berichten, wirtschaftlich profitieren
Auch wenn die EU die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung für viele Unternehmen vereinfacht hat, bleibt das Thema im Geschäftsalltag relevant. Denn Geschäftspartner, Banken und Investor interessieren sich zunehmend dafür, wie Unternehmen mit Energie, Ressourcen, Umwelt- und Sozialthemen umgehen.
Gerade für steirische KMU, die als Zulieferbetriebe in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden sind, kann das entscheidend sein. Wer Nachhaltigkeitsinformationen strukturiert bereitstellen kann, ist auf entsprechende Anfragen vorbereitet und kann seine Leistungen gegenüber Kund nachvollziehbar darstellen. Auch bei Finanzierungsgesprächen können transparente Daten hilfreich sein.
Der Nutzen geht aber weit über einen Bericht hinaus: Wer beispielsweise seinen Energieverbrauch, Materialeinsatz oder seine Abfallmengen systematisch erfasst, erkennt möglicherweise Einsparpotenziale. Informationen zu Arbeitssicherheit und Beschäftigten helfen wiederum, betriebliche Risiken und Verbesserungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.
Nachhaltigkeitsberichterstattung wird so vom vermeintlichen Bürokratieaufwand zu einem Instrument für bessere unternehmerische Entscheidungen.
Was steckt hinter dem Voluntary Standard?
Der neue EU-Standard soll freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung einfacher und vergleichbarer machen. Statt umfangreicher Berichtspflichten bietet er zwei aufeinander aufbauende Module:
- Basismodul: Erfasst grundlegende Informationen, etwa zu Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, Wasser, Abfall und Beschäftigten.
- Zusatzmodul: Ermöglicht weiterführende Angaben, beispielsweise zu Klimazielen, Klimarisiken und Nachhaltigkeitsstrategien, die insbesondere für Banken, Investor oder größere Geschäftskund interessant sein können.
Unternehmen können damit entsprechend ihrer Größe und ihres Informationsbedarfs einsteigen. Eine verpflichtende externe Prüfung des freiwilligen Berichts ist nicht vorgesehen.
Ein weiterer Vorteil: Ab den Geschäftsjahren 2027 begrenzt der neue EU-Rechtsrahmen unter bestimmten Voraussetzungen, welche Nachhaltigkeitsinformationen große, berichtspflichtige Unternehmen von kleineren Betrieben in ihrer Wertschöpfungskette verlangen dürfen. Das soll unnötigen bürokratischen Aufwand reduzieren.
Vom EU-Standard zum eigenen Nachhaltigkeitsbericht
Doch wie beginnt man konkret? Welche Daten werden benötigt, welche sind bereits im Unternehmen vorhanden und wie entsteht daraus ein sinnvoller Bericht?
Genau hier setzt der neue Onlinekurs „Voluntary Standard – verstehen & anwenden“ des KPC-Campus an. Die Kommunalkredit Public Consulting hat das e-Learning gemeinsam mit der TU Wien entwickelt.
Der Kurs vermittelt die Grundlagen der freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung, erklärt die beiden Module und begleitet die Teilnehmer Schritt für Schritt auf dem Weg zum eigenen Bericht. Praxisbeispiele, Hinweise zu rechtlichen Fragen und Tipps für die Kommunikation helfen dabei, das Gelernte auf das eigene Unternehmen zu übertragen.
Besonders praktisch für KMU: Das digitale Lernangebot umfasst rund sechs Stunden, funktioniert über Webbrowser oder App und lässt sich flexibel im eigenen Tempo absolvieren. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Nach erfolgreichem Abschluss gibt es einen Teilnahme-Nachweis.
Wissen aufbauen statt abwarten
Ob zur Vorbereitung auf Kundenanfragen, als Grundlage für betriebliche Verbesserungen oder zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit: Wer sich frühzeitig mit Nachhaltigkeitsdaten beschäftigt, schafft eine wertvolle Entscheidungsgrundlage.
Der Voluntary Standard bietet dafür eine gemeinsame Sprache – und der neue Kurs das nötige Wissen für die praktische Umsetzung.