News

Portrait Manuela Maier
Manuela Maier +43 316 7093 311
14. Oktober 2026

Wenn die Suche versteht, was gemeint ist: KI für Österreichs Open Data

Auf data.gv.at stehen mehr als 72.000 Datensätze bereit. Damit die richtigen Informationen nicht im Datenberg verschwinden, haben Know Center und Bundesrechenzentrum eine KI-Suche entwickelt, die nicht nur Begriffe, sondern auch deren Bedeutung erkennt.

Ein großer Datenschatz – aber wie findet man das Richtige?

Wie entwickelt sich der Verkehr? Welche Informationen gibt es zu Umwelt, Wirtschaft oder Bevölkerung? Wo finden sich Wetterdaten, Wasserqualitäten oder Daten zu öffentlichen Einrichtungen? Viele solcher Informationen stellt die öffentliche Verwaltung als Open Data zur Verfügung.

Das bedeutet: Die Daten sollen frei zugänglich, maschinenlesbar und unter offenen Bedingungen weiterverwendbar sein. Personenbezogene Daten sind davon grundsätzlich ausgenommen. Österreichs zentrale Anlaufstelle dafür ist data.gv.at.

Der Umfang ist beträchtlich: Auf der Plattform sind mittlerweile mehr als 72.000 Datensätze verzeichnet. Gerade mit wachsender Datenmenge wird deshalb eine Frage immer wichtiger: Wie findet man schnell genau jene Informationen, die man braucht

Bisherige Suchsysteme orientieren sich stark an eingegebenen Begriffen. Das kann zum Problem werden, wenn NutzerInnen andere Wörter verwenden als jene, mit denen ein Datensatz beschrieben wurde. Das Bundesrechenzentrum (BRZ) hat daher im Auftrag des Bundeskanzleramts gemeinsam mit dem Grazer Know Center an einer neuen Lösung gearbeitet.

Die Suche soll den Sinn hinter einer Frage erkennen

Das Prinzip lässt sich einfach erklären: Eine klassische Suche achtet vor allem darauf, welche Wörter vorkommen. Eine semantische Suche versucht zusätzlich zu erkennen, was mit diesen Wörtern gemeint ist.

Dafür kommt unter anderem Sentence-BERT, kurz S-BERT, zum Einsatz. Vereinfacht gesagt übersetzt das Sprachmodell Texte in mathematische Darstellungen. Inhalte mit ähnlicher Bedeutung liegen dabei näher beieinander – auch wenn sie unterschiedlich formuliert sind. Genau das macht es möglich, nicht nur nach identischen Begriffen, sondern nach inhaltlicher Ähnlichkeit zu suchen. Das Verfahren wurde ursprünglich für den effizienten Vergleich der Bedeutung von Sätzen entwickelt.

Für data.gv.at bedeutet das: Auch indirekte oder komplexere Suchanfragen können zu passenden Datensätzen führen. Laut den Projektergebnissen liefert die neue Methode bis zu drei Mal relevantere Ergebnisse als klassische Suchverfahren. Gleichzeitig wurde die technische Infrastruktur der Plattform verbessert, damit auch anspruchsvollere Abfragen effizient verarbeitet werden können.

Mehr Nutzen aus offenen Daten

Das ist mehr als eine technische Verbesserung. Denn offene Daten entfalten ihren Nutzen erst dann, wenn Menschen sie tatsächlich finden und verwenden können.

BürgerInnen sollen schneller zu gesuchten Informationen gelangen. Unternehmen können offene Daten etwa als Grundlage für neue digitale Dienste nutzen, Forschungseinrichtungen für Analysen und wissenschaftliche Projekte. Auch innerhalb der Verwaltung können besser zugängliche Daten neue Services ermöglichen.

Dass Open Data wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen schaffen kann, zeigt sich bereits heute: Das BRZ nennt beispielsweise Echtzeit-Abfahrtsinformationen im öffentlichen Verkehr als eine Anwendung, die auf offenen Verwaltungsdaten aufbauen kann. Gleichzeitig können offene Daten den Informationsaustausch innerhalb der Verwaltung erleichtern und Transparenz fördern.

Auch europaweit gewinnt das Thema weiter an Bedeutung. Der Open Data Maturity Report 2025 hält für Österreich unter anderem fest, dass das Angebot von data.gv.at erweitert und der Zugang verbessert wurde. Österreichs Datenstrategie von 2024 sieht zudem Maßnahmen vor, um Datenaustausch und Wiederverwendung weiter zu stärken.

Von der Forschung in die Verwaltungspraxis

Hinter der neuen Suche steht eine Zusammenarbeit zwischen angewandter Forschung und öffentlicher Verwaltung. Das Know Center brachte aktuelle KI-Forschung ein und passte die Technologien an die Anforderungen einer komplexen Verwaltungsplattform an. Die enge Zusammenarbeit mit dem BRZ ermöglichte laut Projektbericht eine schnelle Umsetzung und praxistaugliche Ergebnisse.

Das Grazer Know Center ist ein COMET-Zentrum und auf vertrauenswürdige KI und Data Science spezialisiert. Die SFG führt es als eines der steirischen Zentren des österreichischen Kompetenzzentrenprogramms COMET.

Die entwickelte Technologie könnte künftig zudem über die klassische Datensuche hinausgehen. Im Projekt werden etwa intelligente Chatbots und Empfehlungssysteme für E-Government-Anwendungen als mögliche Einsatzbereiche genannt. Auch der Einsatz auf weiteren Verwaltungsplattformen und in anderen digitalen Services ist vorgesehen.

Damit zeigt das Projekt anschaulich, was angewandte KI leisten kann: Sie schafft nicht unbedingt mehr Daten – aber sie kann dabei helfen, aus vorhandenen Daten schneller die richtigen Informationen zu finden.

Das Projekt „Semantische Suchen nach OpenData.gv.at Plattform“ lief von 2022 bis 2025 im Rahmen von COMET – Competence Centers for Excellent Technologies. Projektkoordination und Forschungspartner war die Know Center Research GmbH, Projektpartner die Bundesrechenzentrum GmbH.

COMET

Sternstunden der Forschung