Designstudio ES + Alles wird gut
„Design darf irritieren, aber es muss funktionieren.“
Architekturbüro-Webseiten sind berüchtigt für ihre Experimentierfreude und die Irritationen, die sie mitunter auslösen. „Unbenutzbar“ schimpfen die einen, „erzählt eine Geschichte“ entgegnen die anderen ganz begeistert. Wo auf dieser Skala würde sich ein Büro am besten einordnen, das mit dem Namen „Alles wird gut“ bereits einen selbstbewussten Anspruch vermittelt, und das in allen einschlägigen Bereichen wie Wohnbau, Bildung, Städtebau und Kultur? Den Entwicklungsprozess stellte Herwig Spiegl gemeinsam mit Verena Panholzer vom Designstudio ES vor, das für seine experimentelle, typografisch präzise und medienübergreifende Gestaltung bekannt ist.
Die Seite musste mehrere Aufgaben erfüllen: Sie sollte für die Mitarbeitenden ein repräsentatives Portfolio bieten. Sie sollte Haltung in Gestaltung überführen. Und mehrere Ebenen und Prozesse zu einer stimmigen Erzählung verknüpfen. Was nicht unbedingt gefragt war, ist die langweilige Zurverfügungstellung von Daten: „Wir sind keine Webseite für Zugfahrpläne.“ Die Lösung war die Zerlegung des digitalen Raums in die Bereiche „Now“, „Today“, „Tomorrow“ und „Everyday“. Als Symbol für das Reisen durch Raum und Zeit marschiert ein Astronaut über den Bildschirm. Trotz der visuellen Ausgefallenheit liefert die Seite dennoch alle relevanten Informationen.
Sobald die Idee am Tisch war, konnte Herwig Spiegl sich „entspannt zurücklehnen“: „Ich habe einfach vertraut. Wir haben die Kreativen machen lassen, wir haben losgelassen. Am Ende hat uns ihre Arbeit genau so dargestellt, wie wir wirklich sind.“ Letztlich kreiste der gesamte Talk um eine zentrale Frage: Wie viel Überraschung verträgt ein digitaler Auftritt? Oder: Was darf Design? Herwig Spiegl hat während des Relaunch-Prozesses dafür die passende Antwort für sich gefunden: „Design darf irritieren, aber es muss funktionieren.“