Käse ohne Kuh, Fleisch aus dem Tank: Schmeckt die Zukunft schon nach Steiermark?
Der erste österreichische Bundeskongress für Fermentation hat diese Woche die Südsteiermark zum Treffpunkt einer Branche gemacht, die rasant an Bedeutung gewinnt. Zwei Tage lang diskutierten im ZIB Nikolai über 200 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis über neue Technologien, Marktchancen und konkrete Anwendungen – und zeigten, welches Potenzial in fermentierten Lebensmitteln steckt.
Fermentation gilt längst nicht mehr nur als traditionelle Konservierungsmethode, sondern als Schlüsseltechnologie für nachhaltige Ernährung, neue Proteine und regionale Wertschöpfung. Entsprechend groß war das Interesse: Der vom Styrian Food Hub initiierte Kongress brachte nationale und internationale Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen – von Start-ups über Produzenten bis hin zu Forschungseinrichtungen.
Das Zukunftsland Steiermark ist nicht nur ein führendes Innovationsland, sondern auch der Feinkostladen Österreichs. Wir müssen diese Stärke weiterentwickeln – hin zu einer führenden Bioökonomieregion Europas. Mit dem ersten österreichischen Fermentationskongress setzen wir dafür einen wichtigen Impuls, betonte Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer als Schirmherr der Veranstaltung.
Von der Tradition zur Hightech-Anwendung
In Keynotes, Praxisbeispielen und vertiefenden Sessions spannte sich der Bogen von klassischen Anwendungen bis hin zu Hightech-Verfahren wie Biomasse- und Präzisionsfermentation. Im Fokus standen insbesondere neue Wege der Proteinproduktion sowie die Nutzung von Nebenprodukten zur Herstellung hochwertiger Lebensmittel – ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.
Keynote-Speaker Martin Reich unterstrich die wachsende Bedeutung des Themas: „Der Styrian Food Hub rückt Fermentation als Schlüsseltechnologie moderner Ernährung in den Mittelpunkt.“ Gerade tierische Zutaten werden zukünftig teurer oder zumindest preislich volatiler – Fermentation bietet Rezepturflexibilität, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.
Der zweite Kongresstag stand ganz im Zeichen der praktischen Anwendung. In Workshops arbeiteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an konkreten Produkten – von Kombucha und Kimchi über Essig und Senf bis hin zu neuen proteinbasierten Lösungen aus dem Bioreaktor. Der Fokus lag auf Umsetzbarkeit, Qualität und wirtschaftlichem Potenzial.
Plattform für Innovation und Vernetzung
„Fermentation stellt einen zentralen Innovationsmotor dar, der neue Produkte ermöglicht und die regionale Wertschöpfung stärkt.“Susanne Urschler, SFG
Für den Styrian Food Hub ist der Bundeskongress ein weiterer Meilenstein. „Fermentation stellt einen zentralen Innovationsmotor dar, der neue Produkte ermöglicht und die regionale Wertschöpfung stärkt“, so Susanne Urschler, Leiterin des Styrian Food Hub. „Mit dem Kongress schaffen wir eine Plattform, die Wissenstransfer fördert, Kooperationen ermöglicht und Innovation beschleunigt.“ Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigte sich auch abseits der Bühne: Beim Networking und bei Verkostungen entstanden neue Kontakte und konkrete Projektideen. Der Austausch zwischen etablierten Unternehmen und jungen Innovatoren sei dabei besonders wertvoll gewesen, so Urschler.
Steiermark als Innovationsstandort
Mit dem ersten Bundeskongress für Fermentation setzt der Styrian Food Hub ein klares Signal: Die Steiermark nimmt eine führende Rolle im Bereich moderner Lebensmitteltechnologien ein. Die Kombination aus traditionellem Know-how, wissenschaftlicher Expertise und unternehmerischer Praxis bietet dafür beste Voraussetzungen. Die erfolgreiche Premiere des Kongresses verspricht mehr – groß ist das Potenzial eines Themas, das kulinarisch, wirtschaftlich und technologisch gleichermaßen relevant ist. Fermentation hat sich damit endgültig vom Nischenthema zum Zukunftsfeld etabliert.