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26. April 2019

Biofleisch per Mausklick

Die Plattform, die Bio-Bauernhöfe mit ernährungsbewussten KonsumentInnen zusammenbringt.
Micha Beiglböck, Gründer von nahgenuss.at <br /> (c) Julia Rauchenberger
Micha Beiglböck, Gründer von nahgenuss.at
(c) Julia Rauchenberger 

Micha Beiglböck lebt seit über 20 Jahren in der Stadt. Weit weg von satten Weiden, Bauernhöfen und Bio-Landwirtschaft. Doch genau damit beschäftigt er sich in einem Coworking Space in der Grazer Innenstadt. Die von ihm und seinem Bruder gegründete Web-Plattform vermittelt zwischen Direktvermarkterinnen und -vermarktern auf der einen und kritischen Konsumentinnen und Konsumenten auf der anderen Seite.

„In meiner Kindheit war es üblich, ein halbes Schwein beim Bauern zu kaufen, aufzuteilen und einzufrieren, um eine Weile davon zu zehren“, erzählt Beiglböck. nahgenuss.at überträgt diesen ganzheitlichen Ansatz ins Internetzeitalter. Wer beispielsweise Appetit auf Schweinefleisch in Bioqualität hat, wird auf nahgenuss.at fündig.

Stelze, Nuss und Kaiserteil

Um immer ganze Tiere zu verkaufen, werden auf nahgenuss.at nur Mischpakete Fleisch verkauft. Bio-Schweine zum Beispiel, werden ausschließlich in Vierteln verkauft. „Ein Viertel sind rund 15 bis 20 kg oder zwei Fächer in der Tiefkühltruhe“, so Beiglböck. Sind vier Viertel bestellt, wird geschlachtet und die Teile stehen küchenfertig zerlegt und verpackt zur Abholung bereit. Auf Wunsch kommt das Fleisch auch per Kühlversand ins Haus. Beispielsweise ein hinteres Viertel: Das umfasst etwa 2 kg Stelze, 3 kg Bauchfleisch, 2,5 kg Faschiertes, 2 kg Karree, 1,5 kg Nuss, 2 kg Kaiserteil, 0,5 kg Filet, 2 kg Frikandeau, 1,5 kg Spareribs und 1,5 kg Schlussbraten.

„Die Qualität von Bio-Schweinefleisch spricht dafür, dass nicht nur Gustostückerl wie Filet und Braten, sondern auch Innereien, Stelzen, Knochen, also alle Teile schmackhaft zubereitet werden können“, so die nahgenuss-Gründer. „Jedes Teil ist ein Edelteil.“ Sie wollen Bewusstseinsarbeit für den Wert des ganzen Tieres leisten und geben auf ihrer Website entsprechende Tipps zur Verwertung und Zubereitung weiter. Wissen, das in Vergessenheit geraten ist und in jüngster Zeit unter dem Namen „Nose to tail“ wiederentdeckt wird.

Überzeugungsarbeit

Der Erfolg bestätigt die Marktrecherche, mit denen sich die Gebrüder Beiglböck an den Start wagten: Der Markt für hochwertige Nahrungsmittel wächst. In den letzten drei Jahren haben 2500 Kundinnen und Kunden ihr Biofleisch über nahgenuss.at gekauft, wo mittlerweile über 100 biozertifizierte Landwirtschaftsbetriebe ihre Produkte anbieten. Der Umsatz von 500.000 Euro im Jahr soll durch den Ausbau des österreichweiten Netzwerks steigen. Auch die Ausweitung über die Grenzen nach Deutschland ist angedacht.

Wie viele Erfolgsgeschichten begann aber auch dieses Unternehmen mit kleinen Schritten. „Es hat einiges an Überzeugungsarbeit gekostet“, erzählt der Jurist, der die Realität am Bauernhof selbst nur von gelegentlichen Besuchen am Hof seines Cousins kannte. Zunächst überwog die Skepsis, zumal der Marktanteil von Bio-Schweinefleisch gerade einmal bei zwei Prozent liegt. Schließlich fanden sich doch vier Landwirte, die der Idee etwas abgewinnen konnten.

Drei Jahre später sind neben Schwein, auch Rind, Lamm, Ziege, Truthahn, Huhn, Gans und Fisch in Bioqualität erhältlich. Auch Wild aus dem Nationalpark Kalkalpen wird angeboten. Jeder Mitgliedsbetrieb von nahgenuss hat auf der Website Platz für die detaillierte Beschreibung seiner Landwirtschaft und des aktuellen Angebots. Menge, Preis, Liefertermin, all das liegt in den Händen der Produzentinnen bzw. Produzenten. Kundinnen bzw. Kunden zahlen die Rechnung direkt an die Bäuerinnen bzw. Bauern. Für die Vermittlung gehen 12 Prozent des Verkaufspreises an die Betreiber der Online-Plattform, dennoch ist das Biofleisch günstiger als im Handel und den Betrieben bleibt mehr für den Aufwand. Vor diesem Hintergrund kommt die Vermarktung über nahgenuss.at vor allem kleinen Familienbetrieben zugute.

Familienbetrieb

Auch die Webplattform selbst funktioniert als Familienunternehmen: Die Verantwortung für alle operativen Aufgaben liegt bei Micha Beiglböck, in strategischen Fragen berät er sich mit seinem Bruder Lukas und seiner Schwester Anna. Das Startbudget von ca. 30.000 Euro wurde im privaten Umfeld gesammelt und für Design und Programmierung der Website nutzten die Gründer ebenfalls Ressourcen aus nächster Nähe, – die Feldbacher Agentur Webworx. Denn das Gute liegt so nah.

Nähe zu schaffen, ist definitiv ein Anliegen der Unternehmer. So sieht das Geschäftsmodell vor, dass sich Kundinnen und Kunden ihre Bestellung auch vor Ort abholen und sich selbst ein Bild von der Biolandwirtschaft machen können. Diese Einladung, sich am Bauernhof selbst umzusehen und mit Bäuerin und Bauer ins Gespräch zu kommen, um Details der Biolandwirtschaft zu erfahren, hat dem Projekt viel positives Feedback und Pluspunkte im Empfehlungsmarketing eingebracht.

 

nahgenuss ist Teilnehmer der iCONTACT. Die nächste iCONTACT Veranstaltung findet am 12. Juni im Rahmen des Zukunftstages der steirischen Wirtschaft statt. iCONTACT Pitching Sessions - Jungunternehmen nutzen die Chance, InvestorInnen für ihre Geschäftsidee zu begeistern. Sie haben Interesse? Bewerben Sie sich jetzt!  (Bewerbungsfrist: 12. Mai 2019)



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