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08. April 2019

Busreisen und die Bedeutung der Multiplikation

Im Rahmen der iCONTACT Talks sprach Business Angel Herbert Gartner, Mastermind von eQventure, über Erwartungen an Startups und das Angebot seiner Investorengruppe.
Business Angel Herbert Gartner beim iCONTACT Talk
Business Angel Herbert Gartner beim iCONTACT Talk 


Herbert Gartner kennt beide Seiten. „Ich war selbst Gründer und weiß, wie es Gründern geht,“ erinnert er an das Halbleiterunternehmen, das er Anfang der 2000er Jahre mitgründete. 2011 ging SensorDynamics um 164 Millionen Dollar an das US-Unternehmen Maxim Integrated Products und der gebürtige Oberösterreicher wechselte die Seite, um Know-how und Kapital in die Gründerszene zurückfließen zu lassen. Mit dem Anspruch, die Szene auf beiden Seiten zu professionalisieren.

Hart und Smart Money

Um die Kommunikation und die tägliche Zusammenarbeit mit Startups effizienter zu gestalten, begann er gemeinsam mit anderen Business Angels die Investments über Treuhandgesellschaften zu bündeln. So entstand schließlich die Beteiligungsgesellschaft eQventure „Kein Fonds, sondern ein Investment Club“, dem mittlerweile knapp 100 vermögende und unternehmerisch agierende Investorinnen und Investoren aus Europa, Amerika und China angehören, die Deal-by-Deal in Deep-Tech-Projekte investieren. Mit „hart und smart money“, also Kapital und Beratung, die auf der jahrelangen Erfahrung mit Venture Capital basiert. Zum Portfolio der Gesellschaft zählen heute die interessantesten österreichischen Startups. So hält eQventure Beteiligungen am Mikrolautsprecher-Spezialisten USound, an eyeson, ilvi, Stirtec, App Radar, SteadySense oder meo Energy.

„Wir wollen, dass ihr Millionäre werdet.“

Sich selbst und die in der eQventure gebündelten Unternehmen sieht der zweifache Business Angel des Jahres als Partner, die von den Startups nicht mehr, aber auch nicht weniger erwarten als von sich selbst: „Unsere Struktur ist leistungsorientiert und jeder einzelne ist für sein eigenes Geld verantwortlich.“ Nach dem Ziel der Kooperationen gefragt, antwortet Gartner nicht uneigennützig: „Wir wollen, dass ihr Millionäre werdet!“ Die Chancen dafür würden dann gut stehen, wenn es eine abgesicherte Technologie gibt und die Phantasie bei einem großen Corporate vorhanden ist, diese Innovation einzubauen. Wobei es auch Unternehmen gibt, die eQventure nicht verkaufen will. „Wir sind nicht wie andere Kapitalgeber in einem Korsett.“

Die drei entscheidenden Fragen

Klartext spricht Gartner auch, wenn es um die Fragen geht, die er an Jungunternehmerinnen und -unternehmer stellt. Gibt es einen Markt? Wie stark ist das Team? Und wie sieht es mit der Skalierbarkeit der Technologie aus? „Eine einfache Multiplikation. Fehlt einer der drei Faktoren kommt am Ende nichts heraus“, meint Gartner, dessen Gruppe sich jährlich rund 500 Projekte ansieht, um zwei bis drei neue Projekte umzusetzen.

Startups würden seiner Ansicht nach heute definitiv professioneller agieren. Dennoch trifft er immer wieder auf Startups, die unglaublich viel Energie in die Technologieentwicklung stecken und dabei auf eine realistische Marktanalyse vergessen.

Geben und nehmen

Entscheidend für den Erfolg sei auch die Zusammensetzung des Teams. Erfahrungsgemäß zählt nicht mehr vom Gleichen, sondern ein Mix an Kompetenzen und persönlicher Flexibilität, die gegebenenfalls ihre Bereitschaft zur strategischen Änderung des Geschäftsmodells beweisen müssen. Die Chemie im Team müsse stimmen, damit die Kommunikation nach außen und das Geben und Nehmen auf Augenhöhe gelingt. „Es ist wie bei einer Busreise“, sagt Gartner. Gründerin bzw. Gründer sitzen am Lenkrad, der Investor daneben am Beifahrersitz in der ersten Reihe. “Wenn der Bus zu schnell in die Kurve driftet, gibt es einen Zuruf.“

Lokal und global

Das setzt regelmäßige persönliche Gespräche mit dem Teams voraus. „Ja, lokal ist wichtig“, bestätigt Gartner, der die 50-Mile Rule, also die räumliche Distanz zwischen Startup und Business Angel, idealerweise auf die Strecke Graz und Salzburg ausweitet. Auch Geld soll man seiner Ansicht nach am besten in der unmittelbaren Umgebung suchen. „Es ist vorhanden.“

Der Radius der Skalierbarkeit ist dagegen weltweit gespannt. „Wenn man wirklich ein skalierbares Geschäftsmodell etablieren und Venture Capital dafür gewinnen will, muss man global denken“, sagt der weltweit vernetzte Business Angel. „Bei eQventure sind 5 Milliardäre dabei – einer in San Francisco und einer in Shenzhen. Und genau in dieser Bandbreite müssen Startups denken.“

Als Investor ist er sowieso daran gewöhnt, noch weiter zu denken. „Unsere Erwartung ist immer die Verzehnfachung des eingesetzten Kapitals.“ 2018 investierte eQventure 20 Millionen Euro. Und es geht weiter.

 

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