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Story 108

Künstliches Hirnschmalz


eFrank systems ist ein Unternehmen mit Sitz in Graz, das sich auf Netzwerksysteme, Softwareentwicklung, Datenmanagement, IT-Security, Content Management und Web-Portal-Lösungen spezialisiert hat. Elmar Frank ist im Bereich der Programmierung und Organisation seit dem Jahr 2000 selbstständig tätig, seit 2008 vermehrt in der Unternehmensberatung.

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eFrank systems ist der Künstlichen Intelligenz auf der Spur, um sie in der Warenwirtschaft einzusetzen. Als Händler schon heute wissen, welche Artikel man morgen lagernd haben muss – Zukunftsmusik? Von wegen. Ein lernfähiges System gibt darauf Antwort.

Gesetzt den Fall, ein intelligentes System kann auf der Basis vorangegangener Verkäufe Prognosen für die Zukunft abgeben und damit den Lagerbestand optimieren, indem es vorausschauend bestellt. Klingt gut, ist es auch. Elmar Frank setzt auf die Künstliche Intelligenz in der Warenwirtschaft und betritt damit ein neues wie innovatives Feld. Bislang wurden klassische statistische Methoden – oder überhaupt nur Gefühl oder Erfahrung – als Prognosewerkzeuge für die Kundennachfrage herangezogen. Die Künstliche Intelligenz (KI) ist dem menschlichen Gehirn einen Schritt voraus: Durch ständiges Trainieren wird die Genauigkeit der Prognosen verbessert, zudem wird eine Vielfalt an Informationen verwertet, die der Mensch nie erfassen kann.

Elmar Frank entwickelt gerade den Prototypen für einen Schmuckgroßhändler. Ob Modebranche, Bäckerei, Gastronomie, Apotheke, Logistik oder Baubranche, „das KI-Modul ist ganz allgemein für den Handel einsetzbar, der mehrere Stand- beziehungsweise Lagerorte hat“, sagt Frank. Das Produkt macht sich die Technologie der neuronalen Netze zu Nutze – ein neuronales Netz basiert auf der Informationsarchitektur des Gehirns und des Nervensystems. Zur Mustererkennung von Schriften oder Funksignalen werden bereits künstliche Netze dieser Art eingesetzt, allerdings noch nicht im Bereich der Warenwirtschaft. Dabei scheint die Problemlage wie geschaffen dafür: Zu hohe und zu niedrige Lagerbestände, aber auch Lagerflächen und die Anschaffung von Vorräten verursachen Kosten. Ein zu niedriger Lagerbestand beispielsweise bedeutet nicht nur Umsatzentgang, sondern zum Teil auch einen nachhaltigen Kundenverlust. Franks System macht die Mustererkennung von Lagerbestandsentwicklungen möglich und zielt darauf ab, eine Lageroptimierung zu erstellen, die sich im Betrieb weiterentwickelt, reift und zu einer Kostenreduktion führt. „Die Vorteile durch Kostensenkungen und die Reduzierung des entgangenen Gewinns schätzen wir auf 15 Prozent.“

An ersten ähnlichen Ansätzen im Bereich der Warenwirtschaft kritisiert Frank, dass sie viel zu kostenintensiv und zu aufwändig sind. Ein von einem großen Versandhaus initiiertes Projekt bewegte sich gleich im mehrstelligen Millionenbereich, ein Quantenphysiker wurde als Leiter beschäftigt. „Es wurden wirklich alle zur Verfügung stehenden Informationen gesammelt und verarbeitet, angefangen von der Kundenanalyse über den Börsenkurs bis hin zu den Mausklicks auf der Internetseite“, berichtet Frank, „ich behaupte frech, dass das alles nicht notwendig und zielführend ist“. Vielmehr komme es auf die sinnvolle Auswahl der Parameter an. Für sein Prognose-Tool sind es etwa der Standort des Verkaufs, die konkrete Artikelgruppe, der Zeitraum, in dem der Verkauf stattfindet, und die Verkaufszahl. Ergänzend werden benutzerdefinierte Managementinformationen je nach Unternehmen integriert. Die Basisdaten sind in jedem gängigen Enterprise Ressource Planning-Programm vorhanden und exportierbar. Auf diese Schnittstelle setzt das KI-System auf.

Damit unterstützt die Künstliche Intelligenz den Manager als Präzisionswerkzeug bei der Entscheidungsfindung. Es liefert die Antwort auf die Frage, wie viel man im nächsten Monat wo verkaufen wird und verbessert die Trefferquote der Prognosen durch wiederholtes Lernen und Training. Dem menschlichen Besteller nimmt es damit Routinearbeiten wie die Artikel-Bestellung ab und verbessert sie. Aber auch künstliches Hirnschmalz bedarf freilich der intensiven Vorarbeit durch kleine graue menschlicher Zellen. Kurzum: Innovationsgeist, den die Steirische Wirtschaftsförderung in besonderem Maße gutheißt. „Im Rahmen des Förderungsprogramms Geistes!Blitz werden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und damit verbundene Innovationen in Unternehmen unterstützt“, sagt Gudrun Gamsjäger von der Leitlinie Innovation.


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