Im Gespräch mit...
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Tanja Perherstorfer - Expertin für Wissensmanagement im Bereich Nachfolge- bzw. Stellvertreterregelung bei KMU - im Gespräch mit Petra Oberger über die Chancen und Gefahren bei Betriebsübergaben. |
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Welche Rolle spielt Wissensmanagement bei der Übergabe von Betrieben?
Im Rahmen der Unternehmensübergabe stehen häufig nur die damit verbundenen rechtlichen und finanziellen Aspekte im Vordergrund. Dass die Übertragung von Eigentum jedoch auch die Übertragung von Wissen, Erfahrungen, sozialen Netzwerken, etc. umfasst, wird dabei meist außer Acht gelassen. Wissensmanagement im Rahmen der Übergabe stellt sicher, dass der/die NachfolgerIn nicht nur eingesetzt wird, sondern auch die damit verbundenen Kompetenzen erfüllt. Kompetenzen umfassen dabei neben Führungsstärke auch das notwendige Wissen, um Entscheidungen rasch und richtig treffen zu können. Eine begleitete Übergabe ermöglicht den strukturierten Kompetenzaufbau und den damit verbundenen Akzeptanz- und Vertrauensaufbau der MitarbeiterInnen.
Die Übergabe von Betrieben geht meist einher mit Know-How-Verlust bzw. Gewinn.
Wie würden Sie einem/r Klein(st)unternehmer/in, der/die sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat, Wissensmanagement (WM) erklären?
Wissensmanagement umfasst unterschiedliche Methoden mit Hilfe derer vorhandenes Wissen, im Sinne von Fachwissen und Erfahrungen, für das Unternehmen nutzbar gemacht wird. Jedes Unternehmen hat durch seine MitarbeiterInnen und durch die über Jahre hinweg gesammelten Erfahrungen umfang-reiches Wissen aufgebaut. Häufig wird dieses Wissen nicht in der für das Unternehmen gewinnbringenden Form genutzt. Vorrangiges Ziel des Wissensmanagement ist es daher, mittels der Analyse der vorhanden Unternehmensprozesse (Kommunikations-/Informations-/Wissensstrukturen) vorhandene Defizite und Potentiale zu identifizieren. Die Schwerpunkte liegen darin neues Wissen aufzubauen, dieses weiterzugeben und es für das Unternehmen einzusetzen. Als Beispiel kann eine einfache Schichtübergabe, im Rahmen derer die Besonderheiten einer Schicht auf die nachfolgende Schicht strukturiert übergeben werden (Bsp. Schichtprotokoll inklusive Foto eines Maschinendefekts und dessen Behebung), genannt werden.
Welche Chancen sehen Sie bei der Übergabe von Betrieben?
Verbunden mit der Übergabe und der Definition eines Nachfolgers gelangt neues Wissen in das Unternehmen. Bestehende Strukturen und Abläufe werden im Idealfall neu überdacht und basierend auf dem Wissensstand des/der Nachfolgers/in verbessert. Bei der Übergabe setzt man sich mit dem Aufgabenfeld und den Tätigkeitendes/der zukünftigen Nachfolgers/in auseinander, ein Anforderungsprofil muss erstellt werden. D.h. Aufgaben, Entscheidungs-kompetenzen und Verantwortungen werden definiert und gegebenenfalls dokumentiert. Dies setzt aber auch voraus, dass man sich mit den internen Prozessen als auch mit dem Unternehmensumfeld beschäftigt. Es ist eine Chance basierend auf Bestehendem Neues zu entwickeln.
Wo liegen die Gefahren bei der Übergabe von Betrieben?
Es ist selbst bei einem gut strukturierten Übergabeprozess nicht möglich Erfahrungen, die über viele Jahre hinweg aufgebaut wurden, vollständig zu übergeben. Manches wird unbewusst nicht weitergegeben und anderes bewusst zurück gehalten. Es fehlt den WissensträgerInnen (VorgängerInnenn) oft das Bewusstsein über das Know-how das sie in sich tragen. Die Herausforderung besteht darin Inhalte, Themen- oder Problemstellungen zu identifizieren, die an den/die NachfolgerIn weitergegeben werden können und müssen. Die damit verbundene Gefahr des Wissensverlustes kann jedoch auch eine Chance in sich tragen, da der Nachfolger unbeeinflusst basierend auf seinen persönlichen Erfahrungen neues Wissen generieren und einbringen kann. Gegenüber den MitarbeiterInnen ist es auch wichtig als sozial und fachlich kompetent aufzutreten. Nur so kann deren Akzeptanz und Vertrauen gewonnen werden.
Welche Tipps möchten Sie den UnternehmerInnen noch mit auf den Weg geben?
Wichtig ist es, sich in jedem Fall vor Augen zu führen, dass mit der Übergabe des Unternehmens nicht nur eine Eigentumsübergabe verbunden ist. Der Wert des Unternehmens wird auch durch das im Unternehmen vorhandene Wissen bestimmt. Um daher einen Wertverlust durch Wissensverlust zu vermeiden, müssen rechtzeitig Aktivitäten in Richtung Wissensbewahrung bzw. –weitergabe initiiert werden. D.h. den Faktor Zeit nicht zu unterschätzen und rechtzeitig mit der Planung einer strukturierten Übergabe zu beginnen. Hilfreich ist es sicherlich auch die angebotenen Dienstleistungen öffentlicher Einrichtungen zum Thema Nachfolge anzunehmen.
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