Viel Begeisterung, wenig Geld
Der rumänische eLearning Guru Prof. Mircea Giurgiu im Gespräch mit Michael Kerschbaumer über europäische Projekte, die Chance von eLearning und die Realität an rumänischen Universitäten.
MK: Herr Professor, willkommen ist Österreich. Ist dies Ihr erster Besuch hier?
MG: Ich war schon einmal für 2 Tage in Wien. Aber da haben wir nur gearbeitet und ich hatte nur eine Stunde Zeit mir die Stadt anzusehen.
MK: Und was führt Sie diesmal hierher?
MG: Wieder einmal ein Leonardo da Vinci Projekt. Gemeinsam mit Partnern aus 5 Ländern, darunter das Grazer bit schulungscenter, arbeiten wir an einer Consulting Plattform. Die soll kleinen und mittleren Unternehmen den Einstieg in's eLearning erleichtern.
MK: Wie kann ich mir das vorstellen?
MG: Nun die Plattform ist so gestaltet, dass die Unternehmen Schritt für Schritt - von der Frage was für Schulungen gebraucht werden, bis hin zur Schlussbeurteilung der gesamten Schulungsmaßnahmen - durch ein eLearning Projekt geführt werden. Dabei sehen Sie gleich, ob sich eLearning für ihr Unternehmen eignet und worauf sie aufpassen müssen.
MK: Wieso glaube Sie, dass eLearning für kleine Unternehmen interessant ist? Ist das nicht eher etwas für Großkonzerne?
MG: Ganz im Gegenteil, gerade kleine Unternehmen die vielleicht nur ein oder zwei Mitarbeiter auf einmal ausbilden wollen, habe dadurch eine kostengünstige Alternative. Die Mitarbeiter können dabei nämlich am Arbeitsplatz lernen und müssen nicht den ganzen Tag in einem Seminarraum sitzen. Gerade in kleinen Unternehmen ist es ja schwierig, wenn ein wichtiger Mitarbeiter ein oder zwei ganze Tage auf einer Schulung ist.
MK: Und nehme die Unternehmen dieses Angebot an?
MG: Noch ist die Unsicherheit darüber sehr groß, weil die Leute zu wenig über eLearning wissen. Aber in Cluj, die Stadt ist übrigens etwa so groß wie Graz, haben allein 58 Unternehmen zu Projektstart bei der Bedarfserhebung mitgemacht und sind als Beobachter in das Projekt eingebunden.
MK: Setzten Sie Neuen Medien denn auch in Ihrem Unterricht ein?
MG: Soweit es unsere technische Infrastruktur zulässt schon. Ich stelle alle meine Vorlesungen und Seminar im Intranet der Universität zur Verfügung. Hier lege ich auch zusätzliche Dokumente für die Studierenden ab und gebe ihnen die Gelegenheit in einem Internet-Forum mit mir über Fragen aus den Veranstaltungen zu diskutieren.
MK: Und die Studierende machen da mit?
MG: Ja, mit Begeisterung. Leider sind die Computerarbeitsplätze bei uns auf der Universität sehr beschränkt. Internatanschlüsse und eigene PCs können sich auch nur die Wenigsten leisten. Aber unsere Computerlabors sind den ganzen Tag bis spät in die Nacht und auch am Wochenende voll mit Studierenden, die dort arbeiten und meine Angebote nutzen.
MK: Herr Professor, Sie sind für internationale Projekte zuständig. Was bedeutet das für Sie?
MG: Es ist zwar eine zusätzliche Belastung, aber nur so habe ich die Gelegenheit mich mit anderen Spezialisten aus meinem Fachbereich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.
MK: Aber dafür gibt es doch auch internationale Konferenzen?
MG: (lacht) Das schon, aber da können Professoren wie ich nicht teilnehmen. Rumänische Universitäten haben meist zu wenig Geld um das zu finanzieren. Privat ist das leider auch nicht finanzierbar. Kollegen an österreichischen Universitäten verdienen bis zu 10 mal so viel wie wir. Da können Sie sich leicht ausrechnen, dass sich für uns keine Konferenzen ausgehen.
MK: Aber mit den EU-Geldern können Sie reisen?
MG: Ja, aber nur zu Arbeitstreffen und Veranstaltungen, die direkt mit dem Projekt zusammenhängen. Mann muss sich auch sehr genau aussuchen in welche Projekte man seine Zeit investiert, sonst bleiben ja die Studierenden auf der Strecke. Da hat unser Rektor ein sehr strenges Auge darauf.
MK: Und da bleibt Ihnen noch Zeit, sich für das Blended Learning Network zu engagieren?
MG: Das ist mir schon wichtig, hier Zeit zu investieren. Gerade was Lernen mit Neuen Technologien anbelangt hat Rumänien einen großen Aufholbedarf. Da ist mir beinahe jedes Mittel Recht, Know How aus Österreich oder anderen europäischen Ländern nach Rumänien zu holen. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit für meine Universität, sich als Kompetenzzentrum in diesem Bereich zu etablieren.
MK: Und was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
MG: Ich möchte gerne besser Deutsch lernen und vielleicht einmal ein Semester an der Technischen Universität Graz verbringen. Die hat einen ausgezeichneten internationalen Ruf, besonders im Bereich Neue Medien. Außerdem ist ja Graz mit Hyperwave, Dynamic Media, bit media, dem ZML oder dem IICM so etwas wie die österreichische eLearning Hauptstadt.
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Prof. Mircea Giurgiu ist Professor für Kommunikationstechnologie an der Technischen Unversität Cluj-Napoca (das ehemalige Klausenburg). Er ist verantwortlich für internationale Projekte der Universität im Bereich eLearning und Neue Medien und Repräsentant des Blended Learning Network in Rumänien. |
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